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Kurze Geschichte von Overath

Die Geschichte der Stadt Overath von den Anfängen bis heute - ein Überblick
(Gekürzte und bearbeitete Fassung der Beschreibung von A. Heider, Overath)

Die Stadt Overath in ihren heutigen Grenzen ist ein Produkt der Gebietsreform von 1975 und umfasst neben der historisch gewachsenen Bürgermeisterei Overath mit ihren fünf Kirchorten Overath, Marialinden, Heiligenhaus, Vilkerath und Steinenbrück jetzt auch die ehemals zu Bensberg gehörigen Gebiete im Sülztal mit den Ortschaften Immekeppel und Untereschbach, sowie das früher zur Gemeinde Hohkeppel zählende Brombach.

Frühgeschichte
Der Overather Raum war schon in grauer Vorzeit besiedelt, jungsteinzeitliche Bodenfunde sowie die Existenz des hallstattzeitlichen Ringwalls auf dem Lüderich, vor allem aber die zahlreichen prähistorischen Funde in unmittelbarer Nachbarschaft des Overather Stadtgebietes lassen diese Aussage zu.

Mittelalter
Über die römische Zeit und die nachfolgende Frankenherrschaft ist kaum etwas aus Urkunden bekannt, allerdings weiß man, dass Overath aus zwei "Keimzellen" hervorgegangen ist: den mittelalterlichen Lehnsbezirken Achera um den Ort Overath und Sulsen um den Ort Immekeppel. Beide Hofverbände entstanden vermutlich im Verlauf der großen mittelalterlichen Rodungsperiode im 10. Jahrhundert, werden aber in weltlichen und kirchlichen Urkunden erst später genannt.

Achera / Overath tritt urkundlich erstmals um 1065 in Erscheinung. Damals übertrug Erzbischof Anno II. von Köln den Hofverband Achera - aufgeteilt in Oberacher (achera superior) und Unteracher (achera inferior) - mit allem Zubehör an das von ihm gegründete Kloster Siegburg, wodurch der Abt von Siegburg Grund- und Lehnsherr in Overath wurde. Anno hatte Ober- und Unteracher vom Utrechter Bischof und von einem Grafen Konrad durch Tausch erworben.
In Ouerrode (= die Rodung in der Aue) befand sich damals schon ein Vorgängerbau der romanischen Pfarrkirche St. Walburga. Um den Fronhof auf der Kemenat, die Kirche und den Rittersitz Steynhuis (= Steinhof) entstand allmählich das Dorf Overath.

Verwaltung, soziale Struktur und Gerichtsbarkeit
Im Verlauf des 12. Jahrhunderts änderte sich die mittelalterliche Struktur allmählich, das Lehnsverhältnis wurde langsam zu vererbbaren Eigentumsrechten der Bauern an ihren Lehnsgütern.
Die Menschen lebten in grundherrschaftlichen Rechtsgemeinschaften nach Hofrecht mit einem Kleingericht ( Schöffengericht, Bauernbank), die abteilichen Hochgerichtsbarkeit war das übergeordnete Rechtsinstitut.
Im Jahre 1311 erwarben die Grafen von Berg die Gerichtshoheit in Overath durch Kauf, damit wurde das Kirchspiel Overath ein Bestandteil des bergischen Herrschaftsbereiches.
Neben dem Bernsauer Hofgericht (1555 mit ca. 200 Lehnsmännern) gab es in Overath bis 1636 ein Landgericht mit 3 gemeindlichen Schöffen - Berufungsinstanz war das Hauptgericht in Porz. 1636 wurden die Landgerichte von Overath und Lindlar zum Hohkeppeler Landgericht zusammengefaßt, welches erst 1811 durch Napoleon aufgehoben worden ist. Danach unterstand Overath dem Friedensgericht zu Bensberg (ab 1879 Amtsgericht).

Um 1350 wurde das bergische Herrschaftsgebiet in Amtsbezirke gegliedert, als deren Zentren bedeutende Burgen bzw. feste Häuser dienten. Die gräflichen Hoheitsrechte übte ein aus dem ritterbürtigen Adel ernannter Amtmann bzw. dessen Schultheiß aus, der für die Verwaltung, die Gewährleistung der öffentliche Ordnung und die Rechtsprechung zuständig war.
Overath gehörte damals zum Amt Steinbach, benannt nach dem Sitz des Amtmannes, Burg Steinbach bei Lindlar. In Overath sind bereits um 1250 sind die Overather Honschaften Heiliger, Burg, Oderscheid, Miebach, Balken und Vilkerath bezeugt.

In das 13. Jahrhundert datieren die ersten urkundlichen Nachrichten über die Overather Ritter. Wie die bergische Ritterschaft überhaupt, entstammen auch sie unfreien Ministerialengeschlechtern (ministeriale = Dienstmann) aus dem Gefolge der Grafen von Berg, für die sie vor allem Waffen- und Verwaltungsdienste leisteten. Für treue Gefolgschaft wurden sie mit freiadeligen Rittersitzen belehnt und mit vielen Vorrechten belohnt. Das Overather Ministerialengeschlecht derer von Bernsau verdeutlicht in besonderer Weise den Aufstieg einer bergischen Ritterfamilie zum bedeutenden Adelsgeschlecht. Im 15. Jahrhundert z.B. begegnet uns der Ritter Wilhelm von Bernsau als Amtmann zu Porz und zu Steinbach sowie als bergischer Rat in hervorragender Stellung am herzoglichen Hof. Die Burg Großbernsau hat als der bedeutendste Adelssitz unseres Stadtgebietes zu gelten.

Kirchliche Verwaltung
Overath, dessen weltlicher und kirchlicher Sprengel identisch waren, bildete von Anfang an eine selbständige Pfarrei, die zur Christianität (Dekanat) Siegburg gehörte. Dechant war der Abt von Siegburg. Die kirchliche Oberaufsicht im Auftrag des Kölner Erzbischofs oblag dem Archidiakon, dem Probst von Bonn.
Heute gehören die Pfarreien der Gemeinde Overath zum gleichnamigen Dekanat, zu dem auch diejenigen der Gemeinde Rösrath zählen.

Im Jahre 1256 gründete Kloster Siegburg als letzte seiner Propsteien die Zelle St. Cyriacus bei Overath. Von den näheren Umständen berichtet uns die erhaltene Gründungsurkunde. Die Propstei war nicht immer mit Mönchen besetzt. Ihre Erträge scheinen für den Lebensunterhalt der adeligen Benediktinerkonventualen nur knapp ausgereicht zu haben. Die Inkorporierung der Overather Pfarrkirche (1352 - 1544) wie auch die Zuwendung der Höfe Balken, zur Brücke, Neuenhaus und einiger auswärtiger Güter konnten die wirtschaftliche Lage der Propstei zeitweilig verbessern. Seit dem 17. Jahrhundert hatte die Zelle jedoch schwer unter Kriegseinwirkungen zu leiden und wurde mehrfach zerstört. Nach ihrer Aufhebung 1803 ging sie in bürgerlichen Besitz über, die Gebäude wurden zweckentfremdet und das Inventar verschleudert. Der Altar, der im 18. Jahrhundert erbauten Kapelle, ursprünglich in der größeren Wallfahrtskirche stehend und inzwischen vortrefflich restauriert, befindet sich heute in der Pfarrkirche zu Marialinden. Die Cyriaxer Kapelle selbst wurde vor über 100 Jahren zum Viehstall degradiert und ist wegen ihres baufälligen Zustandes 1977 abgerissen worden.

Reformation und Beginn der Neuzeit
Die Auswirkungen der Reformation, religiöse Wirren und zunehmende Kriegseinwirkungen (Kölnischer Krieg, Jülich-Klevischer Erbfolgekrieg) machten vor dem Bergischen Land nicht halt.
Der Herzog von Berg war der neuen Lehre gegenüber aufgeschlossen, und in Jülich, Kleve und Mark fand die Reformation Eingang. Overath jedoch wurde von der Reformation nicht berührt, während viele umliegenden Gemeinden zum neuen Glauben übertraten.
Während des Dreißigjährigen Krieges hat Overath großen Schaden genommen. 1648, bei Kriegsende lagen in der Gemeinde Overath 52 Gutshöfe wüst und öde da. Von den Folgen des Krieges erholte sich die Gemeinde nur langsam, zumal Truppendurchmärsche, Einquartierungen und Kriegskontributionen bis 1815 anhielten.
Das Ereignis der französischen Revolution 1789 und das französische Ausgreifen über den Rhein ab 1795 bedeutete nicht nur für das Bergische Land den Beginn einer neuen Ära. Der Widerstand der bergischen Bauern (unter Ommerborn und Stucker) währte nur kurz, und ab 1801 gehörte das Herzogtum Berg zum Rheinbund von Napoleons Gnaden.
1806 schließlich trat der Landesherr, Kurfürst Maximilian Joseph von Bayern gegen die Königswürde das Herzogtum Berg an Frankreich ab. Die von Napoleon durchgeführten Reformen (Zivilstände, Kataster, Code civile) sind zu dauernden Einrichtungen geworden. Auch die Verwaltungsreform nach französischem Muster bildete einen Ausgangspunkt für spätere Regelungen, so wurden u.a. aus den Mairien (maire = Bürgermeister) Bürgermeistereien, bestehend aus mehreren Gemeinden (Honschaften). Der erste Overather Bürgermeister (maire) war der Steinhof-Halfe Anton Steeger.

Erst im Verlauf der Befreiungskriege 1813/14 wurde unsere Heimat von der Franzosenherrschaft befreit. 1815, auf dem Wiener Kongress, fiel das Rheinland endgültig an Preußen. Die Einführung der preußischen Verwaltung im gleichen Jahr änderte auf kommunaler Ebene verhältnismäßig wenig. Der Bürgermeister blieb Organ staatlicher Bürokratie und wurde höheren Orts ernannt. Die Gemeinderäte wurden berufen; maßgeblich hierfür waren Besitz und Ansehen. Der Rat hatte nur beratende und gutachterliche Funktion.

Neuzeit und Gegenwart
Die Jahre 1817 - 1821 waren von Missernten und schwerer wirtschaftlicher Not gekennzeichnet. Diese Situation wiederholte sich in den 1840er Jahren. Die ökonomische Lage des Mittelstandes spitzte sich infolge der Vermehrung kleinerer Handwerkerexistenzen und der bäuerlichen Besitzzersplitterung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in Overath bedrohlich zu. Hinzu kam die Enttäuschung über die politische Entwicklung. Wirtschaftliche Krise und politische Unzufriedenheit gipfelten im Revolutionsjahr 1848 in Overath wie anderswo in einer Revolte gegen den Bürgermeister als Repräsentant staatlicher Gewalt.
Seit dem Mai 1848 boykottierte der Overather Gemeinderat die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Burrus. Öffentliche Krawalle konnten gerade noch verhindert werden. Im Laufe des Jahres bildete sich in Overath, angeregt von Friedensrichter Fischbach aus Bensberg, unter der Führung der örtlichen Lehrerschaft ein Arbeiterverein. Dieser Verein fand mit seinen Forderungen bei Gewerbetreibenden und breiten Volksschichten sehr viel Anklang. Daneben wurde eine 200 Mann starke Bürgerwehr gebildet. Zwar trat Burrus 1849 von seinem Amt zurück, der Konflikt schwelte aber weiter. Im Zuge der Unterdrückung der 48er Revolution ist der Overather Arbeiterverein 1850 verboten worden. Die Probleme blieben: Das Jahr 1850 brachte erneut eine Missernte und die Armenfürsorge der Gemeinde konnte die notwendige Unterstützung der Bedürftigen oft nicht aufbringen.

In den Jahren 1870 - 1914 nahm die Gemeinde Overath unter der Verwaltung der Bürgermeister Noever und Simons am allgemeinen Aufschwung des Deutschen Reiches teil. Bei langsam wachsender Bevölkerungszahl (1913: 5.658 Einwohner) und einem Gesamtanstieg an Industrie, Handel, Handwerk und Verkehr entwickelte sich Overath zu einem wohlgeordneten Gemeinwesen mit landschaftlich reizvollen Ortsbildern.
Ein Aufschwung lässt sich auch im gesellschaftspolitischen Bereich erkennen: ein reges kirchliches Leben, ein leistungsstarkes Schulwesen und zahlreiche Vereinsgründungen sprechen eine deutliche Sprache. 1884 kam die Eisenbahn nach Overath, später auch ins Sülztal, ab 1900 wurde Overath mit fließendem Wasser versorgt (100.000 ltr. Reservoir auf dem Ferrenberg) und ab 1910 wurde die Gemeinde mit Strom versorgt.

Der erste Weltkrieg hat auch in Overath einen hohen Blutzoll gefordert, weit über 1000 Overather standen an den Fronten und 211 fielen. Das Leben in der Heimat war damals geprägt von Lebensmittelengpässen, Zwangsbewirtschaftung, Durchhalteparolen und einer rührenden Fürsorgetätigkeit für die Frontsoldaten. Im Zuge des Novembersturzes 1918 bildete sich ein örtlicher Arbeiter- und Soldatenrat. Nach der politischen Neuordnung unter demokratischem Vorzeichen kamen zumal für die besetzte Rheinprovinz Jahre der Not und der Unruhe.
Vor diesem Hintergrund müssen auch die Hungerkrawalle in Overath und Umgebung im Herbst 1923 gesehen werden, bei denen es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam, weil Hunderte von hungernden Großstädtern mit der Bahn anreisten und die Felder plünderten und sogar ganze Wagonladungen Kartoffeln vom Bahnhof stahlen. Da die französischen Besatzungsbehörden sich der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung verweigerten, kam es einige Tage lang zu anarchischen Zuständen im Aggertal, und bei den Zusammenstößen zwischen den Plünderern und dem Selbstschutz kamen drei Menschen ums Leben.
Während der Weimarer Jahre haben der Gemeinde Overath mit den Bürgermeistern Brochhaus und Bennauer tüchtige Verwaltungsbeamte vorgestanden, die kommunalpolitisch erfolgreich wirkten, bevor die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise das wirtschaftliche Leben in der Gemeinde fast zum Erliegen brachten.
Da Overath eine traditionelle Hochburg der Zentrumspartei war, konnten die Nationalsozialisten nur einen relativ geringen Zulauf verzeichnen, das grundsätzliche Misstrauen der überwiegend konservativ-katholischen Bevölkerung stand dem entgegen.
Im zweiten Weltkrieg starben 440 Soldaten aus Overath, abgesehen davon hat die Gemeinde diese Zeit vergleichsweise glimpflich überstanden. Bereits während des Krieges musste die Gemeinde zahlreiche Bombengeschädigte und Flüchtlinge aufnehmen. Am 13. April 1945 besetzten die Amerikaner, von Seelscheid kommend, Overath.

Nach den leidvollen Nachkriegsjahren erlebte die Stadt Overath im Rahmen der Geschichte der Bundesrepublik und unter dem Vorzeichen des Wirtschaftswunders auf allen Gebieten einen stürmischen Aufschwung. Nach teilweise hektischer Entwicklung wurde die Gemeinde 1975 in der Gebietsreform zur Stadt umgewandelt.
Heute ist Overath eine sorgfältig verwaltete Kommune mit hohem Wohn- und Freizeitwert, deren ursprünglich ländlicher Charakter sich verändert hat zugunsten eines von längerfristigen Strukturwandlungen geprägten Gemeinwesens an der Peripherie der Großstadt Köln.



Der Name Overath

Overath tritt urkundlich erstmals um 1065 als „Achera“ in der Gründungsurkunde des Klosters Siegburg in Erscheinung, auch die mittelalterlichen Hofverbände „Oberacher“ (achera superior) und „Unteracher“ (achera inferior) werden dort genannt.
Dieser Name leitet sich ab von dem Flussnamen Acher oder Agger.
Der Name „Overath“ ist entstanden aus „Ouerrode“ (=Rodung an der Aue). Diese Aue lag zwischen dem Fluss und der nördlich gelegenen, trockenen Höhenstufe vor dem Ferrenberg und dem Klarenberg. Im Mittelalter wurde das Gebiet um die heutige Kirche gerodet - „Overath“ ist also eine mittelalterliche Ortsbezeichnung.

© E. Dommer

 

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